Das BEP-ABC
A
Alltagsintegrierte Bildung bedeutet, dass die Bildungs- und Erziehungsprozesse auch im Alltag, d.h. in den alltäglichen Abläufen in der Kindertagespflege, in Krippen/Kitas und Grundschulen stattfinden. Projekte zu verschiedenen Themen können Spaß machen und natürlich eine Bereicherung für die Kinder sein. Aber worauf es am meisten ankommt, ist der Alltag. Der pädagogische Alltag bietet optimale Lernmöglichkeiten in allen Bereichen, denn Lernen findet den ganzen Tag statt, beim Spielen, in Dialogen, durch Fragen und durch alltägliche Erfahrungen. In den alltäglichen Abläufen gibt es daher viele Möglichkeiten für Sprachanlässe und für die gezielte Unterstützung der Kinder in ihrer Entwicklung. Werden sie in den Alltag integriert, können sie auch flexibel an den Interessen der Kinder ansetzen. Die alltagsintegrierte Bildung geht Hand in Hand mit der formalen Bildung.
Bei einem Übergang in eine neue Bildungseinrichtung, z.B. von der Kita in die Grundschule, muss sich ein Kind neu orientieren, denn die Tagesabläufe und das, was von dem Kind erwartet wird, unterscheiden sich in den Bildungsorten stark voneinander. Wenn das Kind in der Schule eine aktive Rolle hat, gemeinsam Lerninhalte erforscht werden und auch ko-konstruktiv gearbeitet wird, erkennt es diese Herangehensweisen aus der Kita wieder. Dem Kind wird ermöglicht, seine vorherigen Bildungsprozesse weiterzuführen. Die Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen meint diese Fortführung der Bildungsprozesse. Konsistenz in den Grundlagen, Konsistenz in den Bildungs- und Erziehungszielen und Konsistenz im Bildungsverlauf und in der Bildungsorganisation beschreiben im BEP die gemeinsamen Grundlagen für das gesamte pädagogische Handeln in allen Bildungsorten, um die Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen zu erreichen. Kooperationen zwischen den Bildungsorten tragen entscheidend zu einer anschlussfähigen Bildung bei. Lehrkräfte können dadurch auch an das Vorwissen der Kinder und an die Themen in der Kita anknüpfen.
Autonomie bedeutet Selbstbestimmung. Indem wir die Kinder beteiligen, ihre Meinungen und Ideen ernst nehmen und sie darin unterstützen, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen, können sich die Kinder als eigenständige Personen wahrnehmen. Dazu brauchen die Kinder viel Freiraum, zu entdecken und Ideen auszuprobieren. Sie erleben sich als handlungsfähig und selbstwirksam. Dadurch können sie sich zu selbstbestimmten Menschen entwickeln, die ein gutes Gefühl zu sich selbst haben und ihr Leben sowie ihre Bildung aktiv gestalten.
B
Die Basiskompetenzen bilden die Grundlage für den Kompetenzerwerb und für den Wissenserwerb. Zu den Basiskompetenzen zählen die individuumsbezogenen Kompetenzen, die Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext, die lernmethodischen Kompetenzen und die Widerstandsfähigkeit (Resilienz).
Der Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 – 10 Jahren in Hessen (BEP) ist ein Plan für alle Bildungsorte. Der BEP beschreibt die pädagogische Haltung und damit gemeinsame Überzeugungen, wie wir Kinder sehen, wie das Lernen für das Leben am besten gelingen kann und wie wir das über alle Bildungsorte hinweg gemeinsam schaffen können. Die pädagogische Haltung des BEP bietet die Grundlage für die Gestaltung der Bildungs- und Erziehungsprozesse.
Die Handreichungen bauen auf dem BEP auf und konkretisieren bestimmte Themen des BEP. Bis jetzt gibt es zwei BEP-Handreichungen: Die QSV-Handreichung (Qualifizierte Schulvorbereitung (QSV) – Erfolgreiche Bildungspraxis in Kindertageseinrichtungen) (siehe auch weiter unten im BEP-ABC) und die U3-Handreichung (Kinder in den ersten drei Lebensjahren – Was können sie, was brauchen sie?) (siehe auch weiter unten im BEP-ABC).
BEP-Modulfortbildungen sind kostenfreie drei- bis maximal fünftägige Fortbildungen zu 13 verschiedenen Modulen, die Sie frei wählen können. Die Fortbildungen können Sie als einzelne Institution oder auch mit Ihrem Kooperationspartner (z.B. Kita oder Schule) buchen. Sie stehen mit Ihren Bedarfen und Themen im Mittelpunkt. Alle Module und alle BEP-Multiplikatorinnen und BEP-Multiplikatoren finden Sie auf www.bep-connect.de(opens in a new tab).
Die Bildungsbiografie beschreibt die Entwicklung, die das Kind in seiner Bildung und damit in seinem Lernen durchläuft. Das betrifft, welche Bildungsorte das Kind besucht und was es im Verlauf dieser Jahre lernt. Die Bildungsbiografie setzt sich dann in der weiterführenden Schule und in der Ausbildung bzw. im Studium usw. fort. Der BEP zielt darauf ab, jedem einzelnen Kind die individuelle Unterstützung zu bieten und es so für das Leben zu stärken, damit es die besten Chancen hat, seine Bildungsbiografie erfolgreich zu gestalten und sich selbst zu verwirklichen.
Es gibt immer einen Weg oder einen Verlauf, der dann dazu führt, dass ein Kind bestimmte Kompetenzen erwirbt und sein Wissen erweitert. Die Bildungs- und Erziehungsprozesse beschreiben diese Wege und wie sie im Sinne des BEP umgesetzt werden können. Das Bild vom Kind besagt, dass ein Kind die Prozesse aktiv mitgestaltet, da in ihm dieser Motor zur Entwicklung angelegt ist. Wir Erwachsene begleiten es in diesen Bildungs- und Erziehungsprozessen. (Lesen Sie dazu auch das Kapitel zu den Bildungs- und Erziehungsprozessen.)
Der erste Bildungsort der Kinder ist die Familie und ist besonders wichtig. Daher legt der BEP großen Wert auf die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen dem Bildungsort und der Familie. Es ist eine wertschätzende Partnerschaft auf Augenhöhe. Eine solche Partnerschaft ist geprägt von dem Ziel, das Kind bestmöglich zu unterstützen. (BEP, S. 108; U3-Handr., S. 81; QSV-Handr., ab S. 28)
Das Bild vom Kind beschreibt, wie wir Kinder sehen. Kinder sind nach diesem Bild von Anfang an kompetent: Sie sind eigenständige Personen, sie sind neugierig und lernen aktiv, weil sie sich von Geburt an für ihre Umwelt interessieren. (Siehe auch das Kapitel zum Bild vom Kind)
Der BEP steht für die Überzeugung, dass Lernen nur erfolgreich stattfinden kann, wenn das Kind sich wohlfühlt und es den Zuspruch seiner Bezugspersonen erhält. Auch Fach- und Lehrkräfte sind wichtige Bezugspersonen, die dem Kind eine verlässliche und vertrauensvolle Beziehung zu ihnen ermöglichen können. Über eine solche positive Beziehung können die Kinder eine Bindung zu den Bezugspersonen aufbauen, die es ihnen ermöglicht, sich frei zu entfalten und ihre Fähigkeiten sowie Kompetenzen zu nutzen und stetig weiterzuentwickeln. (BEP, S. 26/27; U3-Handr., ab S. 17)
C
Ein Curriculum ist ein Lehrplan, wie man ihn z.B. aus einer Schule kennt. Der BEP versteht sich nicht als ein Lehrplan, auch wenn im BEP verschiedene Bildungsbereiche und Bildungsziele beschrieben werden. Der BEP liefert die bildungsphilosophische Grundlage für die Gestaltung und Begleitung von Lernprozessen (Bildungs- und Erziehungsprozesse) in allen Bildungsorten und für die Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit entlang der Bildungsstandards und Inhaltsfelder (das neue Kerncurriculum für Hessen) im schulischen Bereich. Mit der bildungsphilosophischen Grundlage ist das Verständnis von Bildung und Erziehung gemeint, was sich in unserer pädagogischen Haltung zeigt und darin, wie wir Kinder und ihre Entwicklung sehen. Alle Kapitel in dieser Einstiegshilfe beschreiben Aspekte dieser Haltung und des Verständnisses von Bildung.
D
Das Demokratieprinzip steht dafür, dass Demokratie in allen Bereichen des pädagogischen Alltags gelebt wird. Das bedeutet, dass wir uns alle, egal ob im Team oder Kollegium, mit Kindern oder mit Eltern, wertschätzend und auf Augenhöhe respektvoll begegnen. Wir erkennen an, dass alle Menschen Stärken haben, die sie einbringen, und wir setzen uns dafür ein, dass alle gehört werden und alle beteiligt werden. Ziel ist, dass sich alle in der Gemeinschaft wohlfühlen. (BEP, S. 32; S. 106 ff.)
E
Der BEP spricht nicht von Elternarbeit, sondern von Bildungs- und Erziehungspartnerschaften auf Augenhöhe. (Siehe auch Bildungs- und Erziehungspartnerschaften im BEP-ABC)
Emotionale Kompetenzen umfassen die Fähigkeiten, eigene Gefühle und Gefühle anderer erkennen, benennen und kompetent darauf reagieren zu können. (BEP, ab S. 57)
Jedes Kind hat sein eigenes Lern- und Entwicklungstempo sowie seine persönlichen Stärken. Auch das Alter spielt bei der Entwicklung eine Rolle. Entwicklungsangemessene Aufgaben und Hilfestellungen berücksichtigen das Alter und die individuelle Entwicklung des Kindes. Durch unsere Beobachtung und Dokumentation können wir erfahren, wo das individuelle Kind steht und es entwicklungsangemessen unterstützen, sodass es sich weiterentwickeln kann. Dabei setzen wir an den Stärken eines Kindes an. (Siehe auch Scaffolding im BEP-ABC und das Kapitel Bildungs- und Erziehungsprozesse, BEP, u.a. S. 32)
F
Feinfühlig mit Kindern umgehen, bedeutet, mit den Gefühlen, Bedürfnissen und Sichtweisen der Kinder sensibel, wertschätzend und verständnisvoll umzugehen. Dazu gehört, sich in die Kinder hineinzuversetzen und die Welt aus der Perspektive der Kinder zu betrachten. Dazu gehört auch, herausforderndes Verhalten von Kindern anzunehmen. Daher fragen wir uns bei allen Situationen: Wie erlebt das Kind gerade die Situation? Welche Bedürfnisse oder auch unerfüllten Bedürfnisse stecken dahinter? Was möchte das Kind ausdrücken? Was braucht das Kind? Wie kann ich das Kind unterstützen, begleiten und stärken? Wie kann ich jedes Gefühl, das das Kind zeigt, annehmen und sensibel darauf reagieren? (BEP, S. 32/33; U3-Handr., ab S. 17)
Mit der formalen Bildung ist das institutionalisierte Lernen in der Schule gemeint. Im Unterricht sowie in gezielter Projektarbeit finden strukturierte Bildungsprozesse statt. Diese sind an den Bildungsstandards und Inhaltsfeldern - Das neue Kerncurriculum für Hessen ausgerichtet. Die Kerncurricula der einzelnen Fächer beschreiben die angestrebten Ergebnisse des Lernens in Form von Bildungsstandards (Könnenserwartungen), die in der Regel erreicht werden sollen. Für den schulischen Bereich ist zudem per Verordnung (VOBGM § 13 Abs. 1) festgelegt, dass sich die Ausgestaltung des Unterrichts und der schulischen Arbeit am Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (BEP) orientiert. Im Bildungsort Schule fließen die formale Bildung, die den Schwerpunkt bildet, und die alltagsintegrierte Bildung ineinander, indem die Fragen der Kinder im Unterricht aufgegriffen, die Lebenswelt der Kinder mit den Inhalten des Unterrichts verbunden und das schulische Lernen, Leben und Arbeiten für Lernprozesse genutzt werden. Ziel ist es, die Kinder so zu stärken und sie in den Bildungsprozessen so zu begleiten, dass sie durch die Entwicklung ihrer fachlichen und auch überfachlichen Kompetenzen die Bildungsstandards der Kerncurricula erreichen können.
G
Das ganzheitliche Bildungsverständnis betrachtet jedes einzelne individuelle Kind mit allem, was ein Kind als Person, seiner Geschichte sowie seinen Stärken, Fähigkeiten und seinem Entwicklungsstand mitbringt. Das bedeutet auch, dass Lernen und Bildung in dem großen Geschehen des Lebens betrachtet werden. Dabei stehen der Kompetenzerwerb und die Stärkung der Kompetenzen im Mittelpunkt. Alle Kompetenzen greifen beim Lernen und in der Entwicklung eines Kindes ineinander.
Zu den Grundsätzen und Prinzipien zählen die Überzeugungen, wie wir Kinder sehen (Bild vom Kind, individuelles Kind im Mittelpunkt) und wie wir Lernen und Bildung sehen (Verständnis von Bildung). Das Verständnis von Bildung im BEP umfasst: Ko-Konstruktion, lebenslanges Lernen, Stärkung der Kompetenzen, Bindung und Bildung, Spielen und Lernen, Lernen im Kindesalter, Vielfalt, Entwicklungsangemessenheit und das Demokratieprinzip. Die Grundsätze und Prinzipien bestimmen unsere pädagogische Haltung und wie wir Kinder in ihren Bildungs- und Entwicklungsprozessen in allen Bildungsorten nachhaltig stärken können. (BEP ab S. 20)
H
Unsere Haltung besteht aus Wertevorstellungen und Überzeugungen und sie bestimmt, wie wir andere Menschen und ihr Verhalten sowie uns selbst wahrnehmen. Das wiederum bestimmt unser Verhalten und wie wir mit Situationen aller Art umgehen. Die Grundsätze und Prinzipien bilden die Grundlage für die pädagogische Haltung im Sinne des BEP (siehe auch Grundsätze und Prinzipien im BEP-ABC). Diese Haltung ist geprägt von einem wertschätzenden und feinfühligen Blick auf das Kind und auf Menschen im Allgemeinen. Zudem ist es eine inklusive und demokratische Haltung. Für diese Haltung ist es wichtig, dass wir uns und unser Verhalten immer wieder reflektieren und einzeln sowie im Team oder Kollegium an unserer Haltung arbeiten. (BEP, S. 32)
I
Das individuelle Kind mit seinen Stärken und seinem eigenen Lern- und Entwicklungstempo steht im Mittelpunkt und nicht die Institution (Krippe, Kita, Schule etc.). Das bedeutet, dass sich die Institutionen an die Kinder anpassen müssen und nicht umgekehrt. Die Institution muss die Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass jedes einzelne Kind gezielt unterstützt werden kann und jedes einzelne Kind umfassende Chancen erhält, sich selbst und seine Kompetenzen entfalten zu können. (u.a. BEP, S. 12/34)
Die individuumsbezogenen Kompetenzen beschreiben die Kompetenzen und Stärken der Persönlichkeit eines Kindes, die es dem Kind ermöglichen, sich mit sich selbst wohlzufühlen, seine geistigen und kreativen Fähigkeiten zu nutzen und gut für sich selbst sorgen zu können. (Siehe auch das Kapitel zu den indviduumsbezogenen Kompetenzen)
K
Kinder in den ersten drei Lebensjahren – Was können sie? Was brauchen sie? (Handreichung)
Diese Handreichung fokussiert die Bildungs- und Erziehungsprozesse in den ersten drei Lebensjahren und nimmt dabei auch den entwicklungspsychologischen Hintergrund und die Umsetzung in die pädagogische Praxis im Sinne des BEP in den Blick.
Der Begriff Ko-Konstruktion besteht aus Ko = zusammen/gemeinsam und Konstruktion = Konstruieren/Bilden/Zusammensetzen. Beim Lernen verbinden wir unsere Fähigkeiten, unsere Wahrnehmung und unser Wissen. Wir lernen mit Freude, wenn wir es wirklich verstehen und es eine Bedeutung für uns hat. Das gelingt, wenn wir mit anderen unsere Ideen austauschen, die Ideen und Perspektiven anderer kennenlernen und unser Wissen zusammenführen. Dadurch lernen wir miteinander und voneinander – wir ko-konstruieren. Indem wir gemeinsam die Bedeutung der Dinge erforschen, lernen wir am besten und am nachhaltigsten – das ist die Überzeugung des BEP. (Siehe auch das Kapitel zum Thema Ko-Konstruktion)
Wenn wir unsere Kompetenzen nutzen, dann verbinden wir unser Wissen und unser Können, um Fragen und Problemstellungen zu lösen, um uns in Situationen zurechtzufinden und um immer weiter dazuzulernen. Kompetenzen zu haben bedeutet so viel mehr, als nur Fakten zu wissen. Da die Kompetenzen für erfolgreiches Lernen die Grundlage bilden, liegt der Schwerpunkt des BEP darin, die Kinder umfassend in ihren Kompetenzen zu stärken, vor allem in ihren Basiskompetenzen. (Siehe auch die Kapitel zu Kompetenzen stärken und den Basiskompetenzen)
Konsistenz in den Grundlagen, Konsistenz in den Bildungs- und Erziehungszielen und Konsistenz im Bildungsverlauf und in der Bildungsorganisation – Konsistenz bedeutet im BEP, dass wir in allen Bildungsorten dieselben Überzeugungen haben, wie Kinder in ihren Kompetenzen gestärkt werden und wie Lernen am besten funktioniert. Diese Konsistenz führt dazu, dass wir trotz der Unterschiede in beispielsweise Krippe/Kita und der Schule alle zusammen an einem Strang ziehen und eine anschlussfähige Bildung ermöglichen. (BEP, u.a. S. 12 – 15)
Wenn Sie als Einrichtung/Schule/Kindertagespflege mit einer anderen Einrichtung/Schule zusammenarbeiten, z.B. gemeinsam die Übergänge gestalten und an gemeinsamen pädagogischen Überzeugungen arbeiten, bilden Sie eine Kooperation und setzen sich für anschlussfähige Bildung ein. Wenn Sie gemeinsam eine BEP-Modulfortbildung besucht haben, dann sind Sie ein offizielles BEP-Tandem. In der QSV-Handreichung wird ab Seite 36 die Kooperation zwischen Kita und Schule in den Blick genommen. Die Ausführungen lassen sich jedoch auch auf alle Kooperationen zwischen Bildungsorten übertragen.
L
Wir hören nie auf zu lernen. Die Stärkung der Kompetenzen besonders in den ersten 10 - 12 Lebensjahren stärkt gleichzeitig für die Bildungs- und Lernprozesse im gesamten Leben. (BEP, S. 24)
„Kinder lernen am besten und sind am kreativsten, wenn sie sich wohlfühlen und mit Freude lernen.“ (BEP, ab S. 27) Kinder brauchen zum Lernen Wiederholungen und den Freiraum, zu entdecken, zu forschen und Fehler machen zu dürfen. Die im Kindesalter erworbenen Kompetenzen sind die wichtigsten Grundlagen für lebenslanges Lernen.
Die Lernmethodischen Kompetenzen gehören zu den Basiskompetenzen. Lernmethodische Kompetenzen ermöglichen dem Kind, bewusst zu lernen, also zu wissen, wie es lernt und welche Methoden es anwenden kann, um zu Lösungen und Antworten von Problemstellungen zu kommen. Dazu gehört z.B.: Informationen beschaffen und einordnen, eigenes Wissen anwenden, Lösungsideen entwickeln, ausprobieren und überprüfen sowie Lösungswege anpassen. (Siehe auch das Kapitel zu den lernmethodischen Kompetenzen)
Indem wir zusammen lernen, d.h. Ideen und Sichtweisen austauschen und die anderer kennenlernen, gemeinsam Lösungswege ausprobieren und uns gegenseitig unterstützen, können wir eine Lernende Gemeinschaft bilden. Dazu gehört auch, dass Fehler gemacht werden dürfen und dass wir mit Fehlern wertschätzend umgehen. Wir lernen aber nicht nur bei konkreten Lerngegenständen voneinander. Wir lernen auch durch unsere Unterschiedlichkeiten voneinander, sei es durch unsere verschiedenen Persönlichkeiten, unseren kulturellen Hintergrund und unsere unterschiedlichen Stärken und auch Schwächen. In der Gruppe und in der Klasse können wir diese Lernende Gemeinschaft stärken. Aber auch im Team und Kollegium sowie mit Eltern können wir gemeinsam für eine Lernende Gemeinschaft sorgen.
Ein Lernprozess beschreibt den Weg und das, was bis zum gesetzten Ziel auf diesem Weg gelernt wird. Je nachdem, was gelernt wird, kann ein Lernprozess eine kurze Zeit oder mehrere Jahre dauern. Dabei sind auch mehrere kleine Lernprozesse und Ziele enthalten. (Siehe auch das Kapitel zu den Bildungs- und Erziehungsprozessen sowie den Begriff im BEP-ABC)
M
Dadurch, dass wir als Erwachsene mehr Erfahrungen haben, mehr wissen, größer und stärker sind, haben wir automatisch mehr Macht als Kinder. Diese Macht können wir positiv nutzen, indem wir feinfühlig mit den Kindern umgehen: Uns in Kinder hineinversetzen, ihre Bedürfnisse erkennen und verstehen, ihre Meinung und Sichtweisen ernst nehmen, sie ermutigen sowie bestärken und Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass sich die Kinder entfalten können. Hinzu kommt, dass wir eine Verantwortung für Kinder tragen und natürlich auch Entscheidungen für die Kinder treffen müssen, um sie zu schützen. Tun wir das auf Augenhöhe, lassen die Kinder mitbestimmen und beteiligen sie, können wir auch hier die Beziehung zu den Kindern wertschätzend gestalten.
Kinder haben ein Recht auf Mitbestimmung in allen Belangen, die sie betreffen. (Siehe auch Partizipation im BEP-ABC)
Damit ist die Begleitung der Bildungsprozesse der Kinder gemeint. Die Basis für diese Begleitung sind die Ko-Konstruktion und das Bilden einer Lernenden Gemeinschaft. Dazu müssen wir aufmerksam für die Ideen, Fragen, Bedürfnisse und Stärken der Kinder sein und daran ansetzen. Über das Philosophieren mit Kindern und gezielte Hilfestellungen (Scaffolding) unterstützen wir die Kinder, Zusammenhänge zu verstehen, und stärken ihr problemlösendes Verhalten. (BEP, ab S. 89)
N
Nachhaltig bedeutet, dass das Gelernte nicht schnell wieder vergessen wird, sondern fest in unser Wissen und Können integriert wird. Kinder lernen nachhaltig was sie interessiert und was eine Bedeutung für sie und ihre Lebenswelt hat. Dann können Kinder ehrgeizig sein, auch wenn es einmal anstrengend wird. (BEP, S. 27 – 29, ab S. 89)
P
Partizipation steht für Beteiligtsein, Teilhabe und Mitwirkung bzw. Mitbestimmung. Für den pädagogischen Alltag bedeutet das, dass die Kinder einbezogen werden und sie mitbestimmen dürfen. Dazu gehört, dass ihre Bedürfnisse und Meinungen ernst genommen werden und der pädagogische Alltag auch danach gestaltet wird. In jedem Alter kann ein Kind entwicklungsangemessen mitbestimmen. Partizipation ist die Grundlage für eine demokratische Gemeinschaft.
Lesen Sie dazu das Kapitel zu den individuumsbezogenen Kompetenzen sowie die Erläuterungen zu den individuumsbezogenen Kompetenzen im BEP-ABC.
„Problemlösen stellt die Grundlage für das Lernen von Kindern dar. Durch individuelles und gemeinsames Lösen von Problemstellungen aus ihrer eigenen Erfahrung lernen Kinder, die Welt zu erforschen und zu verstehen.“ (BEP, S. 92) Zum Problemlösen gehört das Erkennen und Analysieren einer Problemstellung oder Frage, die Entwicklung von Lösungsideen sowie das Ausprobieren und das Überprüfen bis zur Lösung. Über die Stärkung der Basiskompetenzen stärken wir die Kinder auch in ihrem problemlösenden Verhalten. Die Ko-Konstruktion und unsere Begleitung der Lernprozesse spielen dabei eine große Rolle.
Q
Diese Handreichung baut auf dem BEP auf und liefert konkrete und praxisrelevante Hinweise zur Umsetzung des BEP. Der Blick liegt dabei auf der optimalen Unterstützung von vier- bis sechsjährigen Kindern in den letzten beiden Kita-Jahren vor der Einschulung. Die Inhalte auf der Grundlage des BEP wurden im Rahmen des Modellprojekts QSV in 52 Kindertageseinrichtungen erprobt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Um- setzung der QSV-Inhalte die Entwicklung der Kinder positiv beeinflusst. Neben Erläuterungen zum BEP enthält diese Handreichung Praxisbei- spiele, Praxistipps und Materialien wie die QSV-BEP-Lupen.
R
Resilienz beschreibt die Widerstandsfähigkeit, die es einem Menschen ermöglicht, kleine und große Veränderungen sowie Belastungen aller Art als Herausforderung zu begreifen und zu meistern. Ein resilientes Kind kann auf seine Fähigkeiten und seine Stärken vertrauen, es kann sich Hilfe holen und es kann erkennen, was es fühlt und was es brauchen könnte. (Siehe auch das Kapitel zu Widerstandsfähigkeit, Resilienz)
S
„Scaffolding bezeichnet eine vorübergehende Hilfestellung und Lenkung, die dem Alter, dem jeweiligen Entwicklungsstand und dem Erfahrungshorizont des Kindes angemessen sind.“ (BEP, S. 92) Was kann das Kind schon? Was sind seine Stärken? Über Hinweise, gezielte Fragen oder auch Materialien können wir die Kinder darin unterstützen, selbst die Lösung zu finden und sich so aktiv immer einen Schritt weiterzuentwickeln. Dieser Schritt in die nächste Stufe der Weiterentwicklung wird als „Zone der nächsten Entwicklung“ bezeichnet.
Wir erleben uns als selbstwirksam, wenn wir Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten haben und wir Möglichkeiten wissen, wie wir handeln können. Dadurch ist uns bewusst, dass wir Einfluss nehmen können und dass wir handlungsfähig sind. Wir sind einer Herausforderung oder einer Problemstellung nicht ausgeliefert, sondern wir können sie meistern.
Soziale Kompetenzen (Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext)
„Dazu zählen Kompetenzen, die das Kind benötigt, um Anforderungen für die Interaktion zwischen Menschen in unterschiedlichen Kontexten zu erfüllen. Sie sind die Voraussetzung dafür, soziale Beziehungen einzugehen und positiv zu gestalten, indem man verantwortungsbewusst, einfühlsam und rücksichtsvoll mit anderen umgeht.“ (BEP, S. 42) (Siehe auch das Kapitel Handeln im sozialen Kontext )
Spielen ist die elementare Form des Lernens, d.h. es ist die Grundlage des Lernens. Spielen hat daher für das Lernen und die Entwicklung eine große Bedeutung und bietet viele Möglichkeiten an Lernprozessen. (BEP, S. 30 – 31)
T
Eine Transition ist ein Übergang. Dabei kann ein Übergang in einen anderen Bildungsort gemeint sein, aber auch eine sogenannte Mikrotransition, wie beispielsweise die Verabschiedung von den Eltern am Morgen oder der Übergang vom Spielen zum Mittagessen oder zur nächsten Schulstunde. Ein Kind durchläuft in seinem Leben mehrere Bildungsorte und muss daher einige Übergänge meistern. Dazu braucht es gute Angebote. Der erste Übergang ist der von der Familie in die Kindertagespflege/Krippe oder Kita. (Siehe auch das Kapitel zum Thema Übergänge gestalten)
V
Vielfalt bedeutet, dass wir alle unterschiedlich sind. Wir unterscheiden uns in unserer Persönlichkeit, in unseren Stärken, im kulturellen Hintergrund, in unseren Erfahrungen, in unserer familiären oder auch finanziellen Situation. Wenn wir die Vielfalt und damit die verschiedenen Perspektiven, Ideen und Stärken wertschätzen, lernen wir viel voneinander und die Welt besser kennen. Daher wird Vielfalt im Sinne des BEP als Chance und als Bereicherung gesehen. (Siehe auch das Kapitel Vielfalt)
W
Wenn wir den Wert eines anderen Menschen umfassend schätzen, begegnen wir diesem Menschen auf Augenhöhe. Wir erkennen seine Sichtweisen, Gefühle und Bedürfnisse an. Außerdem erkennen wir, dass unsere Unterschiedlichkeit etwas Wertvolles ist und wir alle voneinander und miteinander lernen. Auch wenn wir andere Meinungen oder Empfindungen haben, verurteilen wir nicht. (Siehe auch das Kapitel zum Thema wertschätzende Haltung)