Übergänge gestalten
"Auf der Basis gemeinsamer, Institutionen übergreifender Grundsätze und Prinzipien kann eine Fokussierung auf individuelle Bildungsverläufe gelingen, indem die kindliche Bildungsbiografie und weniger eine einzelne Institution in den Mittelpunkt rückt."
BEP, S. 12
Immer dann, wenn ein Kind in eine neue Bildungseinrichtung kommt, spricht man von einem Übergang (Transition). Übergänge sind laut der aktuellen Forschung „Phasen beschleunigten Lernens“, da das Kind in sehr kurzer Zeit viel lernen muss: Neue Umgebung, neue Regeln, neue Bezugspersonen, neue Bewältigungsstrategien. Ein Übergang bedeutet auch eine große Veränderung für die eigene Identität: „Ich bin ein Kita-Kind.“ „Ich bin ein Schulkind“. Ein gelungener Übergang kann das Kind in seinen Basiskompetenzen und für künftige Übergänge und Veränderungen stärken. Ein Kind braucht gute Angebote, um diese große Veränderung zu meistern. Kooperationen zwischen den Bildungsorten können erreichen, dass ein fließender Übergang entsteht und dieselben Überzeugungen über Erziehung und Bildung bestehen (z.B. Ko-Konstruktion, Bild vom Kind). So kann der Bildungsverlauf der Kinder als Ganzes gesehen werden und nicht in einzelnen Institutionen. Die pädagogische Haltung ist sehr wichtig. Als Fach- und Lehrkräfte können wir das individuelle Kind in den Mittelpunkt stellen, die besonderen Herausforderungen der Kinder anerkennen und die Eltern eng einbeziehen.
Beispiele
Krippe/Kita: Eingewöhnungsmodelle nicht starr umsetzen, sondern dem Tempo des individuellen Kindes anpassen.
Grundschule: Ein feinfühliger Umgang kann bedeuten, Verständnis für die große Veränderung zu zeigen, die Kinder zu beteiligen und gemeinsam Strategien für die Herausforderungen zu entwickeln.
Ko-Konstruktion bedeutet, sich auf die Ideen, die Interessen und die Bedürfnisse der Kinder aktiv einzulassen. Das schaffen wir als Erwachsene, indem wir den Kindern Fragen zu ihren Ideen stellen, den Lösungsweg offenlassen und die Bedeutung von Dingen gemeinsam erforschen sowie miteinander diskutieren und verhandeln. Wenn wir begreifen, dass auch wir Erwachsene von den Kindern lernen und nicht nur die Kinder von uns, kann eine echte Lernende Gemeinschaft entstehen.
Weiterlesen
- BEP, S. 12 - 15, S. 94 - 105
- U3-Handreichung, S. 85 - 90
- QSV-Handreichung, S. 78 - 90
Videos zum Thema
folgt
BEP-Lupen
Folgende BEP-Lupen könnten für die Auseinandersetzung mit Ko-Konstruktion hilfreich sein. Ko-Konstruktion gehört zu den Grundsätzen und Prinzipien des BEP und spielt bei allen Bildungs- und Erziehungsprozessen eine fundamentale Rolle. Daher bildet die Ko-Konstruktion auch in allen anderen BEP-Lupen, die hier nicht aufgeführt sind, eine der Grundlagen.
Da die Themen und auch damit die Grundsätze und Prinzipien des BEP alle ineinandergreifen, tauchen die BEP-Lupen mehrmals unter verschiedenen Themen auf. Es kommen immer wieder neue BEP-Lupen dazu! Schauen Sie also gerne öfter hier vorbei.
- Kooperation Kita - Schule (QSV-BEP-Lupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- Übergänge – Transitionen (QSV-BEP-Lupe)
→ Siehe auch Beobachtung und Dokumentation
- Kinder mit Fluchterfahrung - Bindung (IFP-BEP-Lupe)
- Kinder mit Fluchterfahrung - Resilienz und Trauma (IFP-BEP-Lupe)
- Kooperation Kita - Schule (QSV-BEP-Lupe)
- Mikrotransitionen im Tagesverlauf (BEP-Fortbildungslupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- Übergänge – Transitionen (QSV-BEP-Lupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Beobachten als Impulsgeber für die Entwicklung des Kindes (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Zusammenarbeit mit Familien (BEP-Fortbildungslupe)
- Bildungspartnerschaft mit Eltern (QSV-BEP-Lupe)
- Familienkulturen: Bildungspartnerschaft (IFP-BEP-Lupe)
- Familienkulturen: Kinder in ihrer Identität stärken (IFP-BEP-Lupe)
- Herausforderndem Verhalten von Kindern professionell begegnen (BEP-Fortbildungslupe)
- Partizipation und Beschwerde (BEP-Fortbildungslupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Beobachten als Impulsgeber für das päd. Konzept (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Beobachten als Impulsgeber für die Entwicklung des Kindes (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Grundsätze der Dokumentation (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Lerngeschichten (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Portfolio und Lerngeschichten (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Reflexion des vorhandenen Beobachtungskonzepts (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Voraussetzung für gelingende Beobachtung (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation - Zusammenarbeit mit Familien (BEP-Fortbildungslupe)
- Beobachtung und Dokumentation – Beobachten als Impulsgeber für die Selbstreflexion (BEP-Fortbildungslupe)
- Dokumentation in der Schule - Learning story und Lernidentität (BEP-Fortbildungslupe)
- Dokumentation in der Schule - Ressourcenorientierter Blick in der Portfoliopraxis (BEP-Fortbildungslupe)
- Dokumentation in der Schule – Dokumentation im schulischen Förderunterricht (DAZ) (BEP-Fortbildungslupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- alle neun BEP-Fortbildungslupen zum Thema Beobachtung und Dokumentation
- alle vier BEP-Fortbildungslupen zum Thema Beobachtung und Dokumentation in der Schule
- Beobachten und Dokumentieren (QSV-BEP-Lupe)
Sie fragen sich, was BEP-Lupen sind? Und welche es gibt?
Informationen zu den BEP-Lupen und viele weitere BEP-Lupen finden Sie hier.
BEP-ABC
Bei den aufgeführten Begriffen wird auch auf den BEP und seine Handreichungen verwiesen. Im BEP greifen jedoch alle Grundsätze und Prinzipien ineinander, daher sind diese Verweise als Beispiele zu verstehen. Im BEP-ABC können Sie alle ausgewählten wichtige Begriffe des BEP und der BEP-Handreichungen nachlesen.
Bei einem Übergang in eine neue Bildungseinrichtung, z.B. von der Kita in die Grundschule, muss sich ein Kind neu orientieren, denn die Tagesabläufe und das, was von dem Kind erwartet wird, unterscheiden sich in den Bildungsorten stark voneinander. Wenn das Kind in der Schule eine aktive Rolle hat, gemeinsam Lerninhalte erforscht werden und auch ko-konstruktiv gearbeitet wird, erkennt es diese Herangehensweisen aus der Kita wieder. Dem Kind wird ermöglicht, seine vorherigen Bildungsprozesse weiterzuführen. Die Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen meint diese Fortführung der Bildungsprozesse. Konsistenz in den Grundlagen, Konsistenz in den Bildungs- und Erziehungszielen und Konsistenz im Bildungsverlauf und in der Bildungsorganisation beschreiben im BEP die gemeinsamen Grundlagen für das gesamte pädagogische Handeln in allen Bildungsorten, um die Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen zu erreichen. Kooperationen zwischen den Bildungsorten tragen entscheidend zu einer anschlussfähigen Bildung bei. Lehrkräfte können dadurch auch an das Vorwissen der Kinder und an die Themen in der Kita anknüpfen.
Das Bild vom Kind beschreibt, wie wir Kinder sehen. Kinder sind nach diesem Bild von Anfang an kompetent: Sie sind eigenständige Personen, sie sind neugierig und lernen aktiv, weil sie sich von Geburt an für ihre Umwelt interessieren. (Siehe auch das Kapitel Bild vom Kind)
Der erste Bildungsort der Kinder ist die Familie und ist besonders wichtig. Daher legt der BEP großen Wert auf die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen dem Bildungsort und der Familie. Es ist eine wertschätzende Partnerschaft auf Augenhöhe. Eine solche Partnerschaft ist geprägt von dem Ziel, das Kind bestmöglich zu unterstützen. (BEP, S. 108; U3-Handr., S. 81; QSV-Handr., ab S. 28)
Der Begriff Ko-Konstruktion besteht aus Ko = zusammen/gemeinsam und Konstruktion = Konstruieren/Bilden/Zusammensetzen. Beim Lernen verbinden wir unsere Fähigkeiten, unsere Wahrnehmung und unser Wissen. Wir lernen mit Freude, wenn wir es wirklich verstehen und es eine Bedeutung für uns hat. Das gelingt, wenn wir mit anderen unsere Ideen austauschen, die Ideen und Perspektiven anderer kennenlernen und unser Wissen zusammenführen. Dadurch lernen wir miteinander und voneinander – wir ko-konstruieren. Indem wir gemeinsam die Bedeutung der Dinge erforschen, lernen wir am besten und am nachhaltigsten – das ist die Überzeugung des BEP. (Siehe auch das Kapitel zum Thema Ko-Konstruktion)
Konsistenz in den Grundlagen, Konsistenz in den Bildungs- und Erziehungszielen und Konsistenz im Bildungsverlauf und in der Bildungsorganisation – Konsistenz bedeutet im BEP, dass wir in allen Bildungsorten dieselben Überzeugungen haben, wie Kinder in ihren Kompetenzen gestärkt werden und wie Lernen am besten funktioniert. Diese Konsistenz führt dazu, dass wir trotz der Unterschiede in beispielsweise Krippe/Kita und der Schule alle zusammen an einem Strang ziehen und eine anschlussfähige Bildung ermöglichen. (BEP, u.a. S. 12 – 15)
Wenn Sie als Einrichtung/Schule/Kindertagespflege mit einer anderen Einrichtung/Schule zusammenarbeiten, z.B. gemeinsam die Übergänge gestalten und an gemeinsamen pädagogischen Überzeugungen arbeiten, bilden Sie eine Kooperation und setzen sich für anschlussfähige Bildung ein. Wenn Sie gemeinsam eine BEP-Modulfortbildung besucht haben, dann sind Sie ein offizielles BEP-Tandem. In der QSV-Handreichung wird ab Seite 36 die Kooperation zwischen Kita und Schule in den Blick genommen. Die Ausführungen lassen sich jedoch auch auf alle Kooperationen zwischen Bildungsorten übertragen.
Diese Handreichung baut auf dem BEP auf und liefert konkrete und praxisrelevante Hinweise zur Umsetzung des BEP. Der Blick liegt dabei auf der optimalen Unterstützung von vier- bis sechsjährigen Kindern in den letzten beiden Kita-Jahren vor der Einschulung. Die Inhalte auf der Grundlage des BEP wurden im Rahmen des Modellprojekts QSV in 52 Kindertageseinrichtungen erprobt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Umsetzung der QSV-Inhalte die Entwicklung der Kinder positiv beeinflusst. Neben Erläuterungen zum BEP enthält diese Handreichung Praxisbeispiele, Praxistipps und Materialien wie die QSV-BEP-Lupen.